Trotz der restriktiven US-Geldpolitik setzte sich der Aufschwung am US-Arbeitsmarkt im Dezember in beschleunigter Form fort. Die neu geschaffenen 216.000 Arbeitsplätze lagen deutlich über der Konsensschätzung von 170.000.

Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 3,7%, während die Löhne etwas schneller stiegen als im November. Die Arbeitsplatzdaten aus dem Oktober und November wurden allerdings per Saldo um 71.000 nach unten korrigiert.
Lohnanstieg etwas höher
Der Jahresanstieg der Stundenlöhne nahm im Dezember von 4,0% auf 4,1% zu. Im Vergleich zum Vormonat legten sie erneut um 0,4% zu.
Der etwas schnellere Anstieg der Löhne dürfte nicht im Interesse der US-Notenbank (Fed) sein, die mit ihrer restriktiven Geldpolitik den Lohndruck dämpfen will, um eine Lohn-Preis-Spirale zu verhindern.
Lag die Anzahl offener Stellen zeitweise rund doppelt so hoch wie die der Arbeitslosen, hat sich der Abstand mittlerweile stark verringert. Im November standen 8,14 Mio. offenen Stellen „nur“ noch 6,29 Mio. Arbeitssuchende gegenüber. Damit dürfte der Lohndruck nicht weiter steigen.

US-Notenbank: Leitzinssenkungen avisiert
Das primäre Ziel der US-Notenbank ist die Gewährleistung und Aufrechterhaltung der Vollbeschäftigung. Diese ist bei der aktuellen Arbeitslosenquote von 3,7% weiterhin gegeben.
Das sekundäre Ziel der Fed ist die Preisstabilität, die mit einer Headline-Inflationsrate von 3,1% im November immer noch deutlich verfehlt wird. Auch die von der US-Notenbank besonders beachtete Kernrate der Konsumausgaben lag mit 3,2% deutlich über dem Zielwert von 2,0%.
Allerdings dürfte die Zielverfehlung im weiteren Jahresverlauf immer geringer werden, so dass die US-Notenbank zu einer weniger restriktiven Geldpolitik übergehen wird. Die gemeinschaftliche Projektion aller Zentralbankratsmitglieder vom Dezember 2023 („Dot Plots“) enthält zum Jahresende 2024 eine um 75 Basispunkte geringere Federal Funds Rate.
Am Markt wird bereits im März mit der ersten US-Leitzinssenkung gerechnet. Wir halten diesen frühen Zeitpunkt für wenig wahrscheinlich und rechnen frühestens zur Jahresmitte mit der ersten Ermäßigung.
Fazit: Obwohl der Aufschwung am Arbeitsmarkt anhält, sollte die US-Notenbank angesichts rückläufiger Teuerungsraten und nicht weiter steigenden Lohndrucks die Leitzinsen in der zweiten Jahreshälfte spürbar senken.