Der vom Mannheimer Leibnitz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung ZEW ermittelte konjunkturelle Frühindikator überraschte im Januar mit einem Anstieg um 2,4 auf 15,2 Punkte.

Der Wert übertraf die leicht abwärts gerichteten Erwartungen um 3,2 Zähler.
Konjunktur-Pessimismus lässt nach

In den kommenden sechs Monaten erwarteten im Januar 33,2% der Befragten eine konjunkturelle Verbesserung und nur noch 18,0% eine Verschlechterung. Daraus errechnet sich der aktuelle ZEW Indikator von 15,2 Punkten. Knapp die Hälfte (48,8%) rechnet mit keiner konjunkturellen Veränderung.
Lage bleibt schlecht

Die aktuelle Lage wurde im Januar wieder etwas schlechter beurteilt als im Vormonat. Nur 0,6% der Befragten bewertete sie als gut, 21,5% empfanden sie als normal und 77,9% beurteilten sie als schlecht. Per Saldo ging der entsprechende Lage-Indikator um 0,2 auf minus 77,3 Punkte zu.
Inflationsraten sollten weiter sinken
Die Inflationserwartungen bleiben klar abwärtsgerichtet. In Deutschland rechnen nur noch 9,5 der Befragten mit einem Anstieg, 25,0% erwarten gleichbleibende Teuerungsraten. Eine breite Mehrheit von 65,5% aber setzt auf weiter sinkende Inflationsraten. In der Euro-Zone sind dies 62,7% und in den USA sogar 66,9%.
Leitzinsen werden sinken
Bei den sehr stark von den Notenbanken beeinflussten kurzfristigen Zinsen überwiegen die abwärts gerichteten Einschätzungen. Nur noch 1,8% bzw. 1,1% der Befragten rechnen in der Euro-Zone und den USA mit höheren Leitzinsen. In der Euro-Zone erwarten 46,7% unveränderte Leitzinsen, in den USA sind es nur noch 31,4%. Mit Leitzinssenkungen rechnen in den kommenden sechs Monaten mittlerweile die Mehrheiten von 51,5% in der Euro-Zone und sogar 67,5% in den USA.
Renditen unverändert
Knapp die Hälfte der Befragten erwartet im kommenden halben Jahr unveränderte langfristige Zinsen. In Deutschland sind es 47,9%, in den USA 46,4%. Mit rückläufigen Renditen rechnen in Deutschland 33,7% und in den USA 39,9%. Steigende Langfristzinsen erwarten nur noch 13,7% in den USA und 18,4% in Deutschland.
DAX steigt
Die DAX-Erwartungen haben sich kaum verändert. 41,4% der Befragten rechnen in den kommenden sechs Monaten mit einem weiteren Anstieg des Deutschen Aktienindex. 35,8% erwarten keine Veränderung und 22,8% gehen von rückläufigen Notierungen aus.
Dollar stabil
Der US-Dollar dürfte stabil bleiben. 49,4% der Befragten rechnen in den kommenden sechs Monaten mit einem unveränderten Wechselkurs des US-Dollar zum Euro. Während 21,6% einen weiteren Dollar-Anstieg sehen, erwarten 29,0% eine Abwertung.
Fazit: Die Konjunkturerwartungen haben sich weiter aufgehellt und stützen unsere Einschätzung einer leicht positiven Wachstumsrate 2024 in Deutschland.
Hintergrund:
Vorbote konjunktureller Wendepunkte

Der ZEW Indikator gilt als Vorbote konjunktureller Wendepunkte in Deutschland. Die ZEW Konjunkturerwartungen sind ein Frühindikator für die wirtschaftliche Lage, vergleichbar mit den ifo Geschäftserwartungen. Abgefragt werden die Erwartungen für die kommenden sechs Monate.
ZEW Indikator seit 1991
Seit 1991 werden im Rahmen des ZEW-Finanzmarkttests monatlich bis zu 300 Expertinnen und Experten von Banken, Versicherungen und Finanzabteilungen ausgewählter Großunternehmen kontaktiert. Sie werden nach ihren mittelfristigen Erwartungen bezüglich der Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung in Deutschland, der Euro-Zone, den USA und China befragt.
Konkret sind es die Erwartungen für die nächsten 6 Monate bezüglich Wirtschaftswachstum, Inflationsraten, Zinsen, Aktienindizes und Wechselkursen.
An der Januar-Umfrage des ZEW vom 08. bis 15.01.2024 beteiligten sich 173 Personen.